FUT Haartransplantation

FUT Haartransplantation - seit Jahrzehnten bewährte Technik für die Eigenhaarverpflanzung

Die FUT Haartransplantation, auch als Strip- oder Streifentechnik bezeichnet, ist die heute am häufigsten praktizierte Methode der Haartransplantation. Ihren Namen Streifentechnik verdankt die FUT (Follicular Unit Transplantation) Haartransplantation dem ellipsenförmigen Haarstreifen, der aus dem Spenderbereich am Hinterkopf entnommen wird.

Was ist eine follikulare Einheit (FU)?

Wenn man die Haare auf dem Kopf unter einem Mikroskop betrachtet, ist deutlich zu erkennen, dass sie in Haarbüscheln zusammengefasst wachsen. Sie wachsen nicht einzeln, sondern in sogenannten follikularen Einheiten (FU) mit jeweils 2 bis 5 Haaren aus einer Haarwurzel. Die bei der FUT Haartransplantation verpflanzten Grafts sind kleine Transplantate mit mehreren Haaren, die zufällig aus dem entnommenen Hautstreifen geschnitten werden. Das Ergebnis der FUT Haartransplantation ist daher im Prinzip das gleiche, wie bei der FUE-Technik. Entscheidend für das ästhetische Ergebnis ist die Auswahl der Haarlinie für die Transplantation und die natürliche Haardichte.

Ablauf der FUT Haartransplantation

Bei der FUT Haartransplantation handelt es sich um einen operativen Eingriff, der mit einem Skalpell durchgeführt wird. Vor der Entnahme des Hautstreifens wird die Dichte, das heißt, die Anzahl an follikularen Gruppen aus dem Spendergebiet pro Quadratzentimeter mit einer Mikroskopkamera gemessen. Aus der Anzahl der für die Transplantation benötigten FUs ergibt sich die Länge und Breite des zu entnehmenden Hautstreifens.

Vor der Entnahme des Hautstreifen wird dieser Bereich lokal betäubt. Die Entnahme selbst ist bei der FUT Haartransplantation daher völlig schmerzfrei. Durch die Schnitte mit dem Skalpell ergeben sich jedoch zwangsläufig tiefe Haut- und Unterhautdefekte. Der Schnitt muss nach der Entnahme des Hautstreifens sorgsam mit Fäden oder Klammern verschlossen werden. Vereinzelt können nach dem Eingriff, auch über einen längeren Zeitraum, Empfindlichkeiten und Narbenschmerzen auftreten. Viele Patienten klagen zudem über ein Taubheitsgefühl in der unmittelbaren Umgebung der Operationsnarbe. Wundinfektionen sind selten. Durch die vorbeugende Einnahme von Antibiotika vor, während und nach dem Eingriff, kann das Infektionsrisiko zusätzlich verringert werden.

Vor der Verpflanzung der follikularen Einheiten in den Empfängerbereich werden diese unter dem Mikroskop von Assistenten präpariert. Eine sorgfältige Präparation ermöglicht es dem Arzt bei der FUT Haartransplantation eine maximale Anzahl intakter Follikel zu verpflanzen. Bis zur Transplantation werden die FUs in einer Nährlösung gelagert. Im Empfängerbereich werden winzige Öffnungen vorbereitet in die die präparierten Haarwurzeleinheiten verpflanzt werden. Die Wuchsrichtung der Haare muss dabei vom operierenden Arzt dabei beachtet werden, um ein möglichst natürliches Wuchsbild zu erzielen, damit später kein Unterschied zu den vorhanden Haaren zu erkennen ist.

Nach der FUT Haartransplantation

Nach der FUT Haartransplantation wird ein Verband angelegt. Die bei der Wundheilung entstehenden punktförmigen Verkrustungen fallen nach etwa 10 Tagen von alleine ab. Die implantierten FUs beginnen etwa nach 3 bis 4 Monaten mit der Produktion neuer und kräftiger Haare. Insgesamt dauert es etwa 6 bis 8 Monate, bis die neuen Haare sichtbar werden. Der Vorteil der Haartransplantation ist, dass die verpflanzten Follikel ihre ursprüngliche genetische Programmierung beibehalten und an der neuen Stelle nicht wieder ausfallen werden. Das Haar kann wie gewohnt gepflegt, gewaschen und geschnitten werden.

FUT Haartransplantation - Problematik der Narbe

Durch den bei der Entnahme des Hautreifens entstehenden großen und tief greifenden Gewebedefekt muss die Entnahmestelle mehrschichtig vernäht werden. Das Ergebnis ist eine bis zu 25 cm lange, quer über den Hinterkopf verlaufende, sichelförmige Narbe. Bestenfalls ist die Narbe als 1 bis 2 mm dünner Streifen sichtbar. Allerdings kommt es im Laufe der Zeit nach der FUT Haartransplantation häufig zu einer Verbreiterung der Narbe.

Die Ursache für die Verbreiterung ist einerseits der von Patient zu Patient unterschiedlich verlaufende Heilungsprozess und eine durch die Entnahme von Haut- und Unterhautlappen entstehende Zugspannung. Die Kopfhaut wirkt dieser Zugspannung mit dem sogenannten "back-stretch-Effekt" des Narbengewebes entgegen, wodurch sich die Narbe deutlich verbreitern kann. Dieser Effekte tritt bei manchen Patienten unmittelbar nach der OP auf, bei anderen Patienten kann es bis zu 6 Monate dauern, ehe eine Verbreiterung sichtbar wird. Die zu Beginn kaum sichtbare Narbe verbreitert sich dabei auf bis zu 1 cm.

Der Heilungsverlauf der Narbe kann nicht beeinflusst werden. Narben können sich während des Heilungsverlaufs bei allen Patienten spontan verbreitern. Das Narbengewebe kann über die Hautebene herauswaschen, gegenüber der umgebenden Haut einsinken oder sich zusammenziehen und verhärten. Manchmal kommt es vor, dass das Narbengewebe in das die Narbe umgebende gesunde Gewebe hinein wuchert. Auch eine in der Vergangenheit optimal verlaufene Wundheilung in einem anderen Bereich des Körper ist keine Garantie dafür, dass dies auch nach der FUT Haartransplantation der Fall sein wird.

Nachteile der FUT Haartransplantation

Neben der möglichen Narbenverbreiterung gibt es bei der FUT Haartransplantation noch ein paar weitere Nachteile, die im Prinzip des Verfahrens begründet sind. Trotz der vor der Entnahme des Hautstreifens durchgeführte Dichtebestimmung ist das Verfahren nur bis zu einem gewissen Grad genau, was die Anzahl der für die Transplantation zur Verfügung stehende FUs betrifft. Können nicht genügend Follikel gewonnen werden, ist eine nachträgliche Entnahme weiterer Follikel bei der FUT Haartransplantation nicht möglich. Daher wird meist ein größerer Streifen, als tatsächlich erforderlich, entnommen, um einen gewissen Puffer für die Transplantation zu gewinnen. Hinzu kommt, dass bei der Entnahme gesunde Follikel im Spenderbereich durch die Schnitte mit dem Skalpell zerstört werden können.

Die FUT Haartransplantation kann nicht angewendet werden, wenn für die Transplantation im Spenderreich am Hinterkopf nicht genügend Grafts zur Verfügung stehen. Die Verwendung von Bodygrafts scheidet bei dieser Methode aus, da die Körperbehaarung wesentlich weniger dicht ist und viele Streifen aus der Haut herausgeschnitten werden müssten.

Einschränkungen bei des Auswahl des Spenderbereiches

Der Hautstreifen kann nicht an beliebiger Stelle am Hinterkopf des Patienten entnommen werden. Es gibt mehrere Faktoren, die bei der Auswahl des Areales zu berücksichtigen sind. Die Kopfhaut muss an der Entnahmestelle über die erforderliche Elastizität verfügen, die Entnahmestelle muss in einem Bereich liegen, in dem tiefe Schnitte unbedenklich sind und die spätere Narbe sollte in einem Bereich liegen, der vom restlichen Haar bedeckt werden kann.

Fehlende Kontrolle bei der FUT Haartransplantation durch den Patienten

Bei der FUT Haartransplantation hat der Patient keine Möglichkeit zu kontrollieren, wie viele Grafts tatsächlich entnommen und wieder eingepflanzt wurden. Um die Anzahl kontrollieren zu können, müsst der Patient die Zerteilung des entnommenen Hautstreifens beobachten und mitzählen, was natürlich nicht möglich ist.

Die FUT Haartransplantation gilt heute als veraltet. Sie wird zwar noch häufig angeboten und durchgeführt, die Nachteile überwiegen jedoch den einzigen Vorteil der geringeren Kosten gegenüber der FUE Haartransplantation.